Zum Geburtstag der "Brauns" (Günther und Johanna Braun)

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„Die Brauns“ – so genannt, weil sie stets gemeinsam publizierten –,veröffentlichten seit 1955 Kurzgeschichten, historische Romane, Krimis undJugendbücher. Dabei suchten Johanna und Günter Braun nach Ausdrucksmöglichkeiten, die es ihnen gestatten würden, „die volle Wahrheit zubringen“ [G.B.]. Diese Möglichkeit sahen sie vor allem in den Mitteln der Phantastik. In den 1970er Jahren haben sie sich daher vermehrt dem Genre der sogenannten wissenschaftlich-phantastischen Literatur zugewandt und wurden schließlich zu prominenten Vertretern der DDR-Science-Fiction.

Einen Großteil ihres schriftstellerischen Schaffens verbrachten sie in Magdeburg und gestalteten die literarische Landschaft in der Region wesentlich mit, Günter Braun zeitweilig auch als Vorstand im Bezirksverband der Schriftsteller. Im Mai jähren sich die Geburtsjubiläen von Johanna (7. Mai 1929) und Günter Braun (12. Mai 1928), die beide 2008 in Schwerin verstorben sind.

So unkonventionell wie das belletristische Schaffen des Schriftsteller-Ehepaars zeigt sich zum Beispiel auch deren Biografie über den Dramatiker Georg Kaiser, bei der – so merken sie im Nachtrag an – es sich angesichts eines„ so vielseitigen und produktiven Dichters“ lediglich um eine Skizze handeln kann: Der biografischen Annäherung vorangestellt ist der Eindruck Georg Kaisers von seiner Heimatstadt, der – amüsant und schonungslos zugleich – charakteristisch für dessen Scharfblick steht. Johanna und Günter Braun nähern sich zunächst der Persönlichkeit des „ungewöhnlichen Dichters“, dessen Leben es schon wert gewesen wären – so das Resümee – aufgezeichnet zu werden, selbst wenn er keine einzige Zeile verfasst hätte. Danach lassen sie namhafte Kritiker seiner Zeit zu Wort kommen, welche die Bandbreite dessen aufzeigen, was Kaisers Dramen an Meinungen, Emotionen und (Vor-)Urteilen ausgelöst hat. Im nächsten Abschnitt kommen die Brauns auf die schwierige Beziehung von Georg Kaiser zu seiner Heimatstadt Magdeburg zu sprechen und rechtfertigen zugleich wie diese in Zeiten von Umbruch und Wandel um 1900 auf einen „sensiblen Menschen“ gewirkt haben müsse. Nach dem Exkurs zu seinem frühen Bühnenstück „Von morgens bis mitternachts“ fassen sie mit einem Blick auf Kaisers Verhältnis zum Geld die Widersprüchlichkeit des erfolgreichen Dramatikers zusammen, der wegen Unterschlagung zeitweilig ins Gefängnis musste. Als Beispiel seines visionären Schreibens besprechen sie das Stück „Die Lederköpfe“, um schließlich auf sein Arbeiten und sein Selbstverständnis als Schriftsteller im Allgemeinen und als Komödiendichter im Besonderen zu kommen. Im Mittelpunkt steht daraufhin Kaisers Sprachstil, der mehr als Telegrammsprache umfasse; eine Sprache, die Gedanken komprimiere. Als die „Rache der Lederköpfe“ bezeichnen die Brauns das Vorgehen der Nationalsozialisten mit dem Jahr 1933 gegen Georg Kaiser: von „Störungen“ bei Premieren von Kaisers Stücken bis hin zum Verbrennen seiner Bücher. Nachdem Kaisers Erfahrungen, Ängste und Nöte im Schweizer Exil Thema der biografischen Betrachtung sind, gehen die beiden Schreibenden vertieft auf eines der meistgespielten Stücke Kaisers ein – „Der Soldat Tanaka“. Mit dem folgenden Kapitel wird die Lebenssituation Kaisers in der Schweiz umrissen, die unter anderem geprägt war von dem Wunsch in die USA zu emigrieren. Abschließend lassen sie den Dramatiker und Freund Cäsar von Arx zum Tode Georg Kaisers zu Wort kommen.

Mit der Skizze von Johanna und Günter Braun liegt eine biografische Betrachtung vor, die zwar älteren Datums, aber dennoch nicht veraltet ist und nach wie vor zum Kennenlernen des in Magdeburg geborenen Dramatikers Georg Kaiser einlädt.

„Georg Kaiser. Eine biografische Skizze“ aus der Magdeburger Schriftenreihe ist gegen eine Spende im Literaturhaus erhältlich (Solange der Vorrat reicht).


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