Martin Selbers "Die Grashütte" und "Hanna und Elisabeth"

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Martin Selber

Martin Selber (1924-2006) in Dresden geboren, kam nach dem Zweiten Weltkrieg in die Börde. Hier hat er mit Enthusiasmus, ungebremster Schaffenskraft und einem scheinbar nie versiegenden Optimismus Bücher verfasst, die regionale Mundart gepflegt und das kulturelle Leben mitbestimmt. Besondere Verdienste erwarb er sich u.a. als Vorsitzender des Schriftstellerverbands im Bezirk Magdeburg (1971 – 1988) und bei der Förderung des schriftstellerischen Nachwuchses. Sein literarisches Schaffen umfasst mehr als 50 Romane, Erzählungen und (Abenteuer)-Geschichten. Sichtbare Spuren hat sein Werk auch über die Grenzen unserer Region hinaus hinterlassen. Viele seiner Bücher wurden bereits in den 70er und 80er Jahren durch Verlage der Bundesrepublik verlegt.

Sein Jugendbuch „Die Grashütte“ (1968, Kinderbuchverlag Berlin) bzw. „Geheimkurier A.“ (1976 Rowohlt-Verlag) gehörte schon weit vor der Wende zum Unterrichtsstoff in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. In der Geschichte aus dem ersten Jahr der Nazi-Diktatur in Deutschland geht es um Achim, der sich wie jedes Jahr auf die Ferien auf dem Land bei den Großeltern freut – doch diesmal sollte alles anders sein: Sein Sommerparadies hat sich verändert, es ist nun ein „national gesinntes Dorf“ und einstige Freunde wenden sich von ihm ab, weil er nicht zur Hitler-Jugend gehören möchte. Dann entdeckt Achim einen – wie es heißt – gefährlichen Gegner der Nationalsozialisten, ausgerechnet in seiner Grashütte… Ideengebend für das Buch waren Berichte eines Zeitgenossen, der sich 1934 Jahren in den Domersleber Seewiesen verbergen musste.

Auch in seinem Jugendbuch „Hanna und Elisabeth“ (1982), das davon erzählt, wie ein jüdisches Mädchen von einer Berliner Familie vor dem Zugriff der Nationalsozialisten versteckt worden ist, verarbeitet Martin Selber sowohl Erlebnisse seiner einstigen Lektorin als auch eigene Erfahrungen. Sprachlich ausgewogen und leicht zugänglich kommt die Nähe zum Erlebten vor allem in „Hanna und Elisabeth“ zum Tragen, welche Raum gibt für eine differenziertere Ausgestaltung der Charaktere und daher alltagsnah und somit nachvollziehbar bleibt. Spannend und eindrücklich geschildert, zeigen beide Erzählungen vor dem zeitlichen Hintergrund im Vorfeld und während des Zweiten Weltkrieges auf, das Menschlichkeit und Toleranz keine Frage des Geschlechts oder des Alters ist.

 

Foto Martin Selber copyright K. - P. Merbt

Cover "Die Grashütte" copyright Rowohlt Verlag

Cover "Hanna und Elisabeth" copyright Der Kinderbuch Verlag Berlin


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