Zum Geburtstag von Oskar Schönberg

Nicht aus einer emotionalen Zerrissenheit heraus oder aufgrund tragischer Umstände sei er Schreibender geworden, sondern „aus reiner Lebensfreude“. Der unerschütterliche Glaube an das Gute und Schöne im Menschen war die Triebfeder des „Arbeiterschriftstellers“ Oskar Schönberg, der sich selbst als „waschechten Buckauer“ beschreibt. Angesichts seiner zum Teil drastischen Lebenserfahrungen lädt dieses Bekenntnis zum beharrlichen Optimismus und zum Staunen ein.
Geboren am 18. März 1892 in Magdeburg-Buckau verbrachte er den Großteil seiner Jugend- und Lehrzeit in seiner Heimatstadt. Schönberg arbeitete in verschiedenen Firmen – meist in buchhalterischer Funktion – bis auch er ab 1924 bis 1929 wie so viele in der Zeit der Weimarer Republik von der Arbeitslosigkeit betroffen gewesen ist. Bereits während dieser Zeit schrieb er politische Artikel und Gedichte, die soziale Fragen angesprochen haben. Dies führte schließlich 1933 zur Entlassung aus seiner letzten Anstellung beim Arbeitsamt Magdeburg. Seitdem erlebte Schönberg Verfolgung, Untersuchungshaft und Misshandlungen. Während eines Verhörs wurde er so stark an der Wirbelsäule verletzt, dass er lange Zeit gezwungen war, bettlägerig zu sein und auch später stets ein Stahlkorsett tragen musste. Auch nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus stand er unter polizeilicher Aufsicht.
Trotz Schreibverbots verfasste Schönberg Flugblätter, gab die Zeitung „Der rote Flieger“ und eine Satirezeitschrift heraus und sorgte als Kopf einer Buckauer Truppe für deren Vervielfältigung und Verteilung. Sein Roman „Das unsterbliche Luderleben“, der 1935/1936 gereift war, konnte in dieser Zeit wegen der Inhaftierungen und Bewegungsunfähigkeit nicht veröffentlicht werden.
1945 gründete Oskar Schönberg mit Albert Brennecke und Otto Bernhard Wendler den Kulturbund in Magdeburg mit und leitete die erste Arbeitsgemeinschaft der Schriftsteller. Das einst begonnene Romanprojekt „Das unsterbliche Luderleben“ weiterzuverfolgen fiel ihm jedoch schwer. Was ursprünglich als „fröhlicher Wanderroman“ gedacht war, hielt er nun seiner Anlage nach „wertlos für unsere Zeit“. Daher wollte er dem Roman unter dem Titel „Ich bin einer von vielen…“ eine andere Fassung geben. Zu einerVeröffentlichung dieser Fassung kam es indes bis zu seinem Tode 1971 ebenfalls nicht.
Dass wir heute dennoch in dem „Lebenswerk“ Oskar Schönbergs (bzw. in einer Fassung davon) lesen können, ist neben den langjährigen Mitarbeiterinnen im Literaturhaus, Dr. Gisela Zander und Ute Berger, vor allem Thorsten Unger, Professor am Institut für Germanistik an der Otto-von-Guericke-Universität, zu verdanken, der den Roman sprichwörtlich aus der Versenkung geholt und das fertige Werk durch ein ausführliches Nachwort bereichert hat.
Wer Lust hat, sich in die Zeit der Weimarer Republik in Magdeburg zurückversetzen zu lassen, kann gern im Literaturhaus vorbeischauen und in das Buch reinschmökern.

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