Rückblick auf "Lesen gegen das Vergessen" und ein Blick nach vorn

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Eindrücke von Lesen gegen das Vergessen

Das Literaturhaus Magdeburg erinnert an die Bücherverbrennungen von 1933 und kündigt neues Projekt für Herbst an

Am 10. Mai 1933 warfen Studenten, Professoren und Mitglieder nationalsozialistischer Parteiorgane die Werke verfemter Autorinnen und Autoren ins Feuer. Werke von Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky, Arnold und Stefan Zweig und vieler anderer wurden in dieser Nacht vernichtet.
Auch in Magdeburg blieb die Zerstörung nicht aus: Bereits am 5. April 1933 verbrannten SS-Leute auf dem Domplatz rund 10.000 Bände, Flugblätter und Fahnen der Magdeburger Volksstimme. So sollten Stimmen, Gedanken und ganze Biografien für immer zum Schweigen gebracht werden. Heute erinnert dort nichts an dieses Ereignis.


Genau dagegen setzt unter anderem das Literaturhaus Magdeburg ein Zeichen. Bereits zum dritten Mal fand am 10. Mai die Veranstaltung „Lesen gegen das Vergessen" statt, eine Gemeinschaftsveranstaltung, die das Literaturhaus Magdeburg gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt und dem Förderverein der Schriftsteller organisiert. Verschiedene Akteurinnen und Akteure aus der Stadt und darüber hinaus, darunter Karamba Diaby, Lars Johansen, Maik Hattenhorst und Dorle Lange lasen Texte von Autorinnen und Autoren, deren Werke 1933 dem Feuer preisgegeben wurden. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Ultracello.

David Schliesing (Schauspieler und kulturpolitischer Sprecher Der Linken im Bundestag) eröffnet die Veranstaltung vor dem Hundertwasserhaus
Karamba Diaby (ehemaliger Bundestagsabgeordneter der SPD) war aus Halle zu Gast in Magdeburg
Birgit Kiel (Omas gegen rechts) aus Burg war bereits zum zweiten Mal dabei
Lothar Günther vom Förderverein der Schriftsteller


Doch das Literaturhaus Magdeburg belässt es nicht beim Erinnern. Im Herbst / Winter wird das Haus das Projekt „Erinnern statt vergessen – Die Bücherverbrennung 1933 und ihre Auswirkung auf Magdeburg" realisieren. Kern des Projekts ist die Ausstellung „Erinnern für Demokratie – Widerstand gegen die NS-Bücherverbrennungen" des Vereins Verbrannte Orte e.V., die erstmals in Magdeburg zu sehen sein wird. Die Ausstellung rückt in den Mittelpunkt, was bislang kaum sichtbar war: den Widerstand gegen die Bücherverbrennungen, von Menschen, an Orten, in konkreten Handlungen. Die Ausstellung wird begleitet von Lesungen und Vorträgen, die das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.


Zur Eröffnung wird Jan Schenck, Initiator des Projekts „Verbrannte Orte", einen Vortrag halten. Außerdem sind Schülerinnen und Schüler einer weiterführenden Schule zu einer Projektwoche eingeladen. Denn über die Bücherverbrennung auf dem Magdeburger Domplatz ist bis heute kaum etwas bekannt, Dokumente, Zeugnisse und Spuren sind rar. Die Jugendlichen werden deshalb selbst zu Forscherinnen und Forschern: Im Magdeburger Stadtarchiv gehen sie auf Spurensuche in der Geschichte ihrer eigenen Stadt, um anschließend erste Entwürfe für einen Gedenkort auf dem Domplatz zu entwickeln.


Erinnerung, so versteht es das Literaturhaus Magdeburg, ist kein abgeschlossener Akt. Sie ist ein lebendiger, gegenwartsbezogener Prozess, gerade heute.


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