Elisabeth Graul (1928-2009) „…zu sein wie Wasser, das sich nicht am Stein zerschlägt.“

Am 16. Juni geboren, studierte Elisabeth Graul später in ihrer Geburtsstadt Erfurt sowie in Weimar und (West-)Berlin Musik. Im Jahr 1950 schloss sich Elisabeth Graul einer Widerstandsbewegung an, wurde 1951 von der Staatssicherheit verhaftet und verbüßte mehr als 10 Jahre Haft, die sie hauptsächlich im Frauengefängnis Hoheneck (https://gedenkstaette-hoheneck.de) verbrachte.
Nach ihrer Entlassung 1962 ging sie nach Magdeburg und wirkte dort 13 Jahre am Puppentheater und anschließend an der Telemann-Musikschule als Lehrerin im Fach Klavier. Im Jahr 1991 veröffentlichte Elisabeth Graul ihre Autobiografie „Die Farce“ im Magdeburger ImPuls-Verlag:
Elisabeth Graul lässt ihre Lebensbeschreibung im Jahr 1990 beginnen. Sie hat zu diesem Zeitpunkt ihre Rehabilitierung beantragt und nimmt erstmals Einsicht in Anklageschrift und Urteil. Da ist sie fast 62 Jahre alt – mit 23 Jahren beginnt ihre so erlebte „Farce“ in Untersuchungshaft im Staatsicherheitsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen. Mit ihrer Autobiografie gewährt sie einen Einblick in Jahre, die gezeichnet waren von physischer und psychischer Kälte, Bindungslosigkeit, Demütigung und Repressionen. Sie spricht von Unmöglichkeiten wie Freundschaft und Zuneigung, lernt zu trennen zwischen dem Menschen und seinen Taten und versucht dieses nicht gewählte Leben als Leben anzunehmen. Trotz aller Widrigkeiten und Menschunwürdigkeiten zeichnet Elisabeth Graul mit ihrer Autobiografie jedoch keinen Leidensweg nach, sondern blättert mit Klarheit und viel Verständnis einen Werdegang auf, den sie gegangen ist.
Später veröffentlichte Elisabeth Graul auch Lyrik. Viele der Gedichte sind bereits während ihrer Haft entstanden; sie hatte diese auswendig gelernt. Im Literaturhaus einsehbar sind von Elisabeth Graul: Die Farce. Autobiographischer Roman, 1991; Ich brenne und ich werde immer brennen – Gedichte, 1996; Türmer sein – Gedichte, 1997 sowie Blaue Trichterwinde – Ein Lesebuch, 1998.
In den Jahren danach
Ich habe die Mauer nie abgetragen,
hinter die man mich Jahre gesperrt hat.
Die Gitterstäbe waren zu hart für meine Hände
und zu fest verankert.
In den Jahren danach
habe ich Gras und Blumen gesät
in die Fugen der Mauersteine
und zu leben versucht mit dem,
was da wuchs.
[Elisabeth Graul: Ich brenne und ich werde immer brennen, Gedichte. Edition L, Oberndorf am Neckar 1995, S. 30 f.]








