Hanns H. F. Schmidt – „Der grandiose Fabulierer“ (4. Juli 1937 – 26. Sept. 2019)

Den meisten wird Hanns H. F. Schmidt vor allem noch durch seine Freundlichkeit, seine Vorliebe für Kurioses und seiner unbändigen Lust zum Fabulieren bekannt sein. Zahlreich sind seine Reportage- und Bildbände sowie Sammlungen von Sagen aus dem Umland von Magdeburg und insbesondere der Altmark. Seine Berufung war es, Land und Leute vorzustellen, einander literarisch näher zu bringen. Unterwegs in kaum gewürdigten Landstrichen in Sachsen-Anhalt hielt er Wissenswertes fest, was er dann auf seine ganz eigene humorvolle Weise wiedergegeben hat.
Dass er stets offen war für die vermeintlich kleinen Dinge des Lebens, für das Besondere im Alltäglichen – auch das war charakteristisch für sein Wirken. Über die Herrschenden, den Obrigkeiten in Sachsen-Anhalt gab es seit jeher viel zu berichten. Doch lenkte Hanns H. F. Schmidt stets auch den Blick auf das Leben der so genannten kleinen Leute.
Sein Werk „Vom Leben der kleinen Leute in Sachsen-Anhalt“, das 2003 im Tauchaer Verlag erschienen ist, erzählt vom Alltag der einfachen Menschen in unserer Region. Und das mal leicht, mal ernst und dann wieder augenzwinkernd. Hanns H. F. Schmidt fasst seine zahlreichen Recherchen, die er mit Hilfe von Beschreibungen, Chroniken, Stadtbüchern und aus persönlichen Erinnerungen von Menschen aus vergangenen Jahrhunderten zusammengetragen hat, zu unterschiedlichen Themen zusammen:
Welche Kleidung trugen die einfachen Leute damals in Magdeburg und anderswo auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts und inwieweit spiegeln sich die Magdeburger Farben (rot/grün) bereits in früheren Bekleidungsstilen wider? Welche Möglichkeiten der Bildung es für unterschiedliche soziale Schichten gegegeben hat sowie die Frage danach, was täglich auf den Tisch zu Essen und zu Trinken kam, werden zum Teil lokalspezifisch beantwortet und Zusammenhänge zwischen Weinanbau, Tagebau und weiteren topografischen Besonderheiten verdeutlicht.
Dazu ist noch von Brauchtum, etwa zu Hochzeiten und Geburten die Rede; von Regelungen des Miteinanders, von Straßenbau und den hygienischen Verhältnissen, vom frühen Theater, Schaustellern und anderen Gewerken sowie außerdem von der Beschaffenheit der Wohnunterkünfte. Dabei hat Hanns H. F.Schmidt nicht nur das Verhältnis Stadt - Land oder arm - wohlhabend im Blick, sondern auch das Kuriose im scheinbar Gewöhnlichen.
Die regionale Literaturlandschaft wäre ohne seine zahlreichen Werke nicht halb so informativ, geistreich und erheiternd zugleich. Er war zunächst als Lehrer für Mathematik und Musik tätig, was sich auch auf sein kreatives Wirken danach ausgewirkt hat: so dachte er sich Denk- und Knobelaufgaben aus, die in Tageszeitungen veröffentlicht wurden. Außerdem verfasste er für das Kinderradio Hörspiele. Er komponierte Opern und heitere Stücke. Darüber hinaus war er im Vorstand des Schriftstellerverbandes des Bezirks Magdeburg sowie als Leiter der Arbeitsgemeinschaft junger Autoren aktiv.
Die Materialien aus den Überlassungen im Literaturhaus zeigen Hanns H. F. Schmidt als einen akribischen Schreiber und Sammler mit dem Drang, Wissen und Wissenswertes festzuhalten, aber vor allem auch seine Lust, andere Menschen damit zu begeistern.








