Abschlussgedanken der Magdeburger Stadtschreiberin 2026 Anne Hahn

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Anne Hahn während ihrer Abschlusslesung im Adelheid Foyer im Rathaus

Von Anfang April bis Ende Oktober dieses Jahres habe ich mit meiner Katze in Magdeburg gelebt. In einer traumhaften Wohnung hoch über dem Brauhaus Hummels, mit freiem Blick auf Dom, Stadtpark, Kirchen und Häuser bis zum Brocken und Kalimandscharo. Sonnenauf- und Untergänge, Nebelbänke und Gewitterwolken. Krähen, Turmfalke, Milan und einmal eine Eule kamen vorbeigeflogen, auf dem Ulrichsplatz beobachte ich Hasen, im trockenen Bett der alten Elbe Rehe, unter der kleinen Hubbrücke Biber. Ich stieg auf Dom, Johanniskirche und MWG-Turm, erlebte am Abend vor der Wiederbeisetzung Kaiser Ottos, wie ein Sturm gleich zwei Regenbögen auf den Himmel zwischen Dom und Kloster zauberte, an einem anderen Abend war er über dem Yachthafen in Aperol-Farbe getaucht.

Es war ein heißer Sommer. Ich besuchte alle Schwimm- und Freibäder, schwamm im Barleber See, im Kinderbecken der Elbeschwimmhalle, im kühlen Carl-Miller-Bad, im überfüllten Erich-Rademacher, im einsamen Ehle-Kanal und zuletzt im Nemo-Außenbecken unter dem Magdeburger Himmel. Ich reiste von Magdeburg nach Salzwedel, Sangerhausen, Aserbaidschan, Hiddensee und zurück in meine Jugend.

Magdeburg ist schön, grün und weit. War sie in meiner Kindheit eine Ansammlung von Neubauten auf freigeräumten Flächen, ist die Stadt heute durchzogen von Wald und Wiesen. Der Fluss hat sich erholt, man kann ewig an ihm entlang spazieren oder die Elbe mit dem Floß befahren. In Magdeburg wird gern gefeiert, ich besuchte opulente Feste von Spectaculum und la Notte bis zur Kulturnacht und dem Kaiser-Otto-Fest. Sah die Sommertheater auf dem Domplatz, im Möllenvogteigarten und im Forum Gestaltung, erlebte Führungen über den Werder, durch Westerhüsen und Sudenburg sowie Stücke in Schauspielhaus, Puppentheater und auf dem Fürstenwall, schaute Filme, hörte Konzerte in Dom und Datsche, erlebte Lesungen in Wohnzimmer und Rosengarten, Bibliothek, Volksbad und Kunstmuseum. Dazwischen schrieb ich.

Von Herzen danke ich allen Partnern, die meine Reihe #dakannstenichmeckern unkompliziert ermöglichten: dem Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, dem Forum Gestaltung, dem Studiokino, der Feuerwache, dem Literaturhaus, dem Volksbad, ICATAT, der KulturSzene und der Gedenkstätte am Moritzplatz. Bei meinen acht Filmgesprächen, Stadtspaziergängen und Erzählsalons kam ich mit vielen Menschen ins Gespräch und genoss die Gemeinschaft inklusive der Gänsehaut-Momente von Punkkonzert bis Fahrstuhlausfall.

Ebenso danke ich allen, die mir ihre Wohnungen, Häuser, Ateliers, Galerien, Depots und Schätze gezeigt haben, mich zu Lesungen in die AWO, den Wissenschaftshafen, an den Hasselbachplatz, den Domfelsen, auf die Elbwiesen, ins Schwimmbad oder die Fahrbibliothek geladen haben. Last but not least bin ich dem FCM dankbar für fantastische Heimspiele und bewundere all die engagierten Menschen, die über Monate auf den Straßen demonstrierten, tief durchatmeten und jetzt neue Bünde gründen.

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